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Kritische Informationen der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland
zum Thema Organspende / Lebendspende / Transplantation / Hirntod

Neues zum Thema Organspende / Transplantationsmedizin / Hirntod

23.03.12: Friede, Freude, kleine Reiberei: Fraktionsübergreifende Einigkeit bei erster Bundestagberatung über Organspende-Gesetzentwurf zur Entscheidungslösung

PlenarsaalAm 22. März 2012 debattierten die Abgeordneten des Deutsche Bundestages in erster Lesung über zwei Gesetzentwürfe zur Änderung des Transplantationsgesetzes. Mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Transplantationsgesetzes werden europarechtliche Vorgaben umgesetzt und damit europaweit geltende einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Organtransplantation gesetzlich festgelegt. Gleichzeitig wird gesetzlich verpflichtend vorgesehen, dass es in jedem Entnahmekrankenhaus einen Transplantationsbeauftragten geben soll. Im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens sollen zudem Regelungen zur Verbesserung der Absicherung des Lebendorganspenders geschaffen werden.

Der zweite fraktionsübergreifende Gesetzentwurf regelt die Einführung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz. Der Gesetzentwurf wurde von knapp zwei Drittel, das heißt 391 der 620 Abgeordneten aus allen Parteien unterzeichnet. Er sieht vor, dass die bislang geltende erweiterte Zustimmungslösung in eine Entscheidungslösung umgewandelt wird. Das heißt, künftig sollen alle Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren regelmäßig von ihren Krankenkassen per Post angeschrieben, über die Organspende informiert und zur Abgabe einer Erklärung dazu aufgefordert werden. Erstmalig soll dies schon in diesem Jahr geschehen, ein weiteres Mal in zwei Jahren. Nach der Aufforderung im Jahr 2017 alle fünf Jahre. Hierbei besteht aber die Möglichkeit die Schreiben zu ignorieren und sich nicht zu entscheiden. In der Konsequenz bedeutet dies, dass im Falle einer möglichen Organentnahme nach festgestelltem Hirntod die Angehörigen befragt werden und ihre Zustimmung oder Ablehnung erklären sollen.

Darüber hinaus sollen die Behörden bei der Ausgabe von amtlichen Ausweisen wie zum Beispiel Pass oder Führerschein Informationen zur Organspende ausgeben. Zudem sollen die technischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen für eine Speicherung der Entscheidung zur Organspende auf der elektronischen Gesundheitskarte geschaffen werden. Die technische Umsetzung soll in einem stufenweisen Prozess erfolgen.

Weitgehende Einigkeit und Selbstzufriedenheit

Illustration Organspende-Gesetz EinigungIn der gut zweistündigen Aussprache kamen 18 Abgeordnete zu Wort, ein weiterer gab seine Rede nur schriftlich zu Protokoll. Zunächst sprachen in einer ersten Runde aus jeder Fraktion einer der Initianten dieses Gesetzentwurfes. Dies waren die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU/CSU), Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD), Rainer Brüderle (FDP), Dr. Gregor Gysi (Die Linke) und Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), dann Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Anschließend erhielten in der weiteren Aussprache die anderen Abgeordneten das Wort.

Insgesamt war die Debatte geprägt von weitgehender Einigkeit und Selbstzufriedenheit mit den vorliegenden Texten. Mit dem gefundenen Kompromiss-Gesetzentwurf zur Entscheidungslösung werde es keinen Zwang zu einer Entscheidung geben. Das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen werde so gewahrt da man die Anschreiben auch ignorieren könne, beteuern die Initiatoren. Ziel sei es, das Thema Organspende "in die Familien zu tragen" und die Auseinandersetzung mit den verbundenen Fragen zu fördern und schließlich eine Entscheidung zu dokumentieren. Damit wolle man auch den Angehörigen die Entscheidung ersparen, so der Tenor. Mehrfach wurden auch sehr persönliche Erlebnisse im Zusammenhang mit Organspenden angeführt, um die Bedeutung zu unterstreichen.

Die Frage des Hirntodes als Kriterium für eine Organentnahme wurde von allen Abgeordneten allenfalls am Rande erwähnt, wenn überhaupt. Ansonsten beherrschten weitgehend die Schlagworte "Lebensretter", "Nächstenliebe", "Verantwortung", "Pflichtgefühl", "Solidarität mit Kranken", und "Selbstbestimmung" die Debatte, verbunden mit der Forderung ein "starkes Signal" zu setzen. Lediglich die mögliche Speicherung der Organspende-Entscheidung auf der elektronischen Gesundheitskarte sorgte für etwas Reibung. Dies hinderte manche Abgeordnete nicht daran, dennoch für eine Zustimmung zum Gesetzentwurf zu werben, unabhängig von möglichen Änderungswünschen. Zum Ende der ersten Lesung wurden die Gesetzentwürfe in die Fachausschüsse zur Beratung überwiesen.

Reden der Fraktionsvorsitzenden - Zitate im Überblick

Bild PlenarprotokollDer CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder betonte in seiner Rede mit Blick auf die vorangegangenen Diskussionen der letzten Tage, man habe manchmal den Eindruck gehabt, dass wegen der Forderungen, dass mehr Transplantationen stattfinden könnten und mehr Organe zur Verfügung stehen sollten, quasi ein Rechtsanspruch auf eine Transplantation bestehe. Genau dies sei nicht der Fall. "Wir haben in diesem Gesetzentwurf größten Wert darauf gelegt, dass niemand gezwungen werden kann. Es ist eine höchstpersönliche Entscheidung, ob jemand sein Organ zur Verfügung stellen will oder nicht", stellte Kauder klar. "Aufgrund des neuen Gesetzes wird es nicht - vor dieser Hoffnung muss man warnen - von einem Tag auf den anderen zu einem sprunghaften Anstieg der Organspendebereitschaft kommen. Ich glaube aber, dass wir mittelfristig eine verbesserte Situation schaffen können."

Mit Blick auf die in der Diskussion eingebrachte Widerspruchslösung sagte Kauder: "Wir, die wir diesen Gesetzentwurf vorlegen, sagen: Eine Widerspruchslösung entspricht nicht unserer Rechtsauffassung." Das Plenarprotokoll vermerkt dazu: "Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD)".

Frank-Walter Steinmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärte, es gehe bei dem Thema um Verantwortung. "Es geht um die Verantwortung, die wir für Menschen übernehmen, die unserer Hilfe bedürfen. Aus dieser Verantwortung - da hat Kollege Kauder recht - entsteht noch keine Pflicht zur Spendebereitschaft, aber ich finde, aus dieser Verantwortung entsteht die Erwartung an uns alle, dass wir uns entscheiden". Organspende sei "eine Frage der Mitmenschlichkeit, und Politik hat diese Mitmenschlichkeit möglich zu machen, das heißt, Hürden da abzubauen, wo sie noch bestehen, und zu ermutigen, wo manche der Ermutigung bedürfen", so Steinmeier.

Rainer Brüderle, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion sagte: "Heute ist ein guter Tag für 12 000 Menschen, die hoffen und bangen, dass sie ein Spenderorgan bekommen. Wenn man Gelegenheit hatte, mit Betroffenen zu sprechen, dann spürt man, welche Dramatik, ja Tragik damit verbunden ist." Der fraktionsübergreifende Gesetzentwurf zeige, dass das Parlament die Fähigkeit habe, bei ethischen Fragen und bei Fragen der Existenz und des Miteinanders auch außerhalb des politischen Wettbewerbs, der zur Demokratie und zum Parlament gehöre, solche Regelungen auf den Weg zu bringen. Das sei "eine gute Übung des Parlaments" und zeige, dass sie auch die Fähigkeit zur Gemeinsamkeit haben. Hier dominiere der Grundkonsens aller politischen Kräfte des deutschen Parlaments.

Bemerkenswert, da etwas sehr widersprüchlich aber auch erhellend, war die Rede vom Fraktionsvorsitzenden der Linken, Dr. Gregor Gysi. Eingangs erklärte Gysi mit Blick auf die ca. 12.000 Menschen auf der Warteliste für ein neues Organ: "Meine ethische Überzeugung, meine Sicht der Solidarität besteht darin, dass die Medizin alles Mögliche zu tun hat, um das Leben von Menschen zu retten." Persönlich sei er für die Widerspruchslösung. Das bedeutet, alle sind potentielle Organspender, es sei denn, sie haben zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. "Aber ich weiß: Ich habe gar keine Chance auf eine Mehrheit, wahrscheinlich nicht in der Gesellschaft, auf jeden Fall nicht im Bundestag. Deshalb führe ich darüber keine Diskussion. Aber ich wollte das der Ehrlichkeit halber gesagt haben", so Gysi.

Kurz darauf, nach herber Kritik an den Plänen zur Speicherung auf der elektronischen Gesundheitskarte, erklärte der Linken-Chef: "Aus verschiedenen Gründen werden wir die Novelle zum Transplantationsgesetz in der jetzigen Fassung ablehnen. Beispielsweise müssen bei der Hirntoddiagnostik die Anwendungen modernster Verfahren vorgeschrieben werden. Warum gibt es beispielsweise die verpflichtende apparative Diagnostik durch EEG oder SPECT anders als in anderen Ländern in Deutschland nicht? Nur dadurch wäre man sich sicher. Das ist nur ein Beispiel. Es gibt noch andere Kritikpunkte."

Ungeachtet dessen und dem Hinweis, man werde über beide Gesetzentwürfe noch diskutieren und es werde noch "die eine oder andere Änderung geben", erklärte Linken-Fraktionschef Gysi schließlich: "Aber ich bitte Sie alle im Saal letztlich um die Zustimmung zum Gruppenantrag, erstens, um zu erreichen, dass Tausende Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ warten, berechtigt darauf hoffen können, dass sie die Transplantation erhalten werden, und, zweitens, um jeden Handel mit Organen auszuschließen. Wir müssen verhindern, dass Reiche, egal wo, Organe von Menschen aus armen Ländern kaufen, die zur Spende zumindest unzulässig unter Druck gesetzt wurden. Wenn wir das verhindern wollen, dann müssen wir es in unserer Gesellschaft so organisieren, dass jede und jeder unabhängig von ihrer oder seiner sozialen Lage die gleiche Chance hat, zügig eine lebensrettende Transplantation zu erhalten."

Vergleichsweise ruhig sprach Jürgen Trittin als Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen. Er betonte die Freiwilligkeit einer Organspende und die Bedeutung für die Angehörigen, wenn jemand keine Entscheidung trifft. Hierzu führte er ein Erlebnis mit seiner bei einem Fahrradunfall verstorbenen ehemaligen Lebensgefährtin an. Auch Trittin kritisierte eine mögliche Speicherung auf der E-Card wegen datenschutzrechtlichen Bedenken. Seine Fraktionskollegin Elisabeth Scharfenberg kündigte diesbezüglich einen fraktionsübergreifenden Änderungsantrag an, um "den Gesetzentwurf an sich zu verbessern."

Reden anderer Abgeordneter

Im zweiten Teil kamen dann diverse Abgeordnete zu Wort. Auch sie argumentierten ähnlich wie ihre Vorredner (ausführlich nachzulesen im Plenarprotokoll, siehe unten). Herausragend und bemerkenswert war dagegen die Rede der Grünen-Abgeordneten Birgitt Bender. Sie legte als einzige die Karten offen auf den Tisch über die Bedeutung des Hirntodes, die Vorgänge bei einer Organentnahme und was eine Organspende für Angehörige des Sterbenden bedeutet. Sie wies darauf hin, dass die Zahl der möglichen Organspenden allein schon durch die begrenzte Zahl von ca. 3000 bis 5000 Hirntoten jährlich, begrenzt ist.

Sie wies auch darauf hin, dass mit Einführung der Entscheidungslösung das Angehörigenproblem keineswegs gelöst sei. "Auch dann, wenn ein Organspendeausweis vorliegt und die Angehörigen damit der Verantwortung enthoben sind, diese Entscheidung zu treffen, sind sie doch in einer sie schwer belastenden Situation, weil sie diesen abschiedslosen, plötzlichen Tod erleben und sich von einem Körper verabschieden sollen, der warm ist, durchblutet ist und vielleicht schwitzt. Das ist etwas anderes als der Abschied von einem erkaltenden Leichnam. Deswegen wird es auch bei Vorliegen eines Organspendeausweises immer Gespräche mit den Angehörigen geben müssen, die all das zu verkraften haben. Das sei an die Adresse derjenigen gerichtet, die glauben, man könne sich diese als belastend empfundene Kommunikation vom Halse schaffen. Das darf man nicht, meine Damen und Herren. Die Angehörigen haben auch Rechte", gab Bender zu bedenken. Dafür erntete sie laut Plenarprotokoll Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN. Sie forderte die angesprochenen Bereiche nicht zu tabuisieren, sondern offen und ehrlich darüber zu reden. Nur so werde es gelingen, diese Debatte tatsächlich "an die Familientische zu tragen", und dann werden Menschen ihre Entscheidung treffen.
 

Stimmen zur Organspende-Debatte: Fehlende Hirntod-Debatte und einseitige Aufklärung pro Organspende

In den Medien wurde die Debatte weitgehend gelobt. Doch es regte sich auch Kritik sowohl am Gesetzentwurf als auch dem Vorgehen insgesamt.

Organspendekritiker-Bündnis kritisiert fehlende Hirntod-Debatte und einseitige Aufklärung pro Organspende

Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei OrganspendenSo warnte das "Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei Organspenden", ein Zusammenschluss diverser Organisationen, Vereine, Arbeitsgemeinschaften und Einzelunterstützer vor einer vorschnellen Verabschiedung des Gesetzes ohne ernsthafte und ausführliche Diskussion über den Hirntod als Kriterium einer Organentnahme. "Denn der Hirntod nicht der Tod des Menschen, sondern ein Prozess im Sterben, der durch eine Organentnahme auf drastische Weise unterbrochen wird. Dies belegen diverse neuere Fachpublikationen", heißt es in einer Presseerklärung vom 21. März.

Das Bündnis kritisiert zudem die einseitige Ausrichtung des Gesetzentwurfs pro Organspende und fordert eine stärkere Berücksichtigung der Aufklärung über die Folgen für die potentiellen Organspender, wenn diese einer Organentnahme im Falle des Hirntodes zustimmen. Gleichwohl begrüßte das Bündnis, dass ein zuvor diskutierter Zwang zu einer Entscheidung im Gesetzentwurf außen vor blieb und auch die von einigen Abgeordneten angestrebte Widerspruchslösung zumindest vorerst vom Tisch ist.

Im Gesetzentwurf heißt es, die Bevölkerung solle im Zuge der Entscheidung für oder gegen die Erlaubnis, die Organe nach dem festgestellten Hirntod entnehmen zu dürfen, umfassend und "ergebnisoffen" aufgeklärt werden. Dennoch wird eindeutig das Ziel - die Organspendebereitschaft zu steigern - klar vorgegeben. Wie sich dies alles miteinander vereinbaren lässt im Sinne einer umfassenden und "ergebnisoffenen" Aufklärung, bleibt nach Ansicht der Bündnispartner fraglich, wenn die Ziele und die einseitig ausgerichteten Aufklärungsinhalte pro Organspende so wie jetzt vorgegeben sind.

"Im ganzen Gesetzestext wird kein einziges Mal der Hirntod, das Kriterium für die Organentnahme, erwähnt. Stattdessen wird nur von "toten Spendern" gesprochen. Allein das ist befremdlich. Scheinbar ist an den Initiatoren des Gesetzentwurfs spurlos vorbeigegangen, dass es seit mehreren Jahren Diskussionen, neue Studien und Erkenntnisse gibt, die die wissenschaftliche Haltbarkeit der Gleichsetzung des Hirntods mit dem Tod des Menschen massiv in Zweifel ziehen", erklärte Renate Focke, erste Vorsitzende der Initiative "Kritische Aufklärung über Organtransplantation (KAO) e.V.", einer der Bündnispartner. Wenn man die Menschen umfassend, offen und ehrlich über alle Aspekte aufklären würde, würde die Bereitschaft zur Organspende nach Erfahrung von KAO rapide sinken. "Es sieht ganz danach aus, dass über die in wissenschaftlichen Publikationen von namhaften Experten vertretenen Zweifel am Hirntod als dem Tod des Menschen gar nicht erst informiert und diskutiert werden soll. Nach dem bisherigen Vorgehen soll offenbar das neue Gesetz möglichst widerstandslos und schnell verabschiedet werden", befürchtet Focke.

Das Bündnis stellt daher auf seiner eigenen Webseite unter www.organspende-widerspruch.de allen Interessierten umfassende Hintergrundinformationen zum Thema Organspende und Hirntod zur Verfügung, um für Aufklärung zu sorgen. Dort gibt es auch einen "Appell zur Organspende-Debatte in Deutschland", der im September letzten Jahres an alle Abgeordneten verschickt worden ist. Des Weiteren kann man auf der Webseite einen Nicht-Organspenderausweis runterladen. Darin kann man seine Nicht-Bereitschaft zur Organspende festhalten.

Schwarz-Weiß-Dialektik läuft beim Thema Organspende ins Leere

Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz StiftungAuch die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung übte Kritik an der Debatte. "Dass sich die Menschen mit dem Thema Organspende beschäftigen sollen, ist grundsätzlich zu begrüßen. Im Akutfall sind Angehörige mit der Entscheidung über den abschiedslosen Tod oft überfordert. Doch der reine Appell an Emotionen, wie heute im Bundestag von den meisten Abgeordneten vorgetragen, wird nicht den gewünschten Erfolg, die Anzahl der Spender zu erhöhen. Eine Schwarz-Weiß-Dialektik läuft beim Thema Organspende ins Leere", erklärte der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in Berlin in einer Presseaussendung am Tag der Debatte.

"Die Kategorien Lebensretter, Nächstenliebe und Solidarität haben schon in den letzten 15 Jahren nicht funktioniert, um mehr Menschen zur Organspende zu bewegen. Um den Ängsten der Bürger und Ärzte entgegenzuwirken, brauchen wir sachliche Aufklärung, Beratung und Transparenz", betonte Brysch. Notwendiges Vertrauen könne nur wachsen, wenn das Thema sensibel und tiefgründig behandelt werde. "Die Menschen wollen wissen, wie der Widerspruch zwischen Organspende und Patientenverfügung aufgelöst werden kann, warum in Deutschland die Lebendspende so restriktiv organisiert ist, was bei der Organentnahme geschieht, wie die Angehörigen des Spenders auch nach Entnahme der Organe betreut werden und ob die Verteilung nach Kriterien, die der Deutsche Bundestag festgelegt hat, erfolgt. All diese Fragen sind aber mit einem Tabu belegt", so Brysch.

Die Patientenschutzorganisation der schwerstkranken Menschen appelliert an die Parlamentarier, der ethischen Verantwortung gerecht zu werden. "Daher muss sich der Bundestag den Fragen der Menschen stellen und überzeugende, rechtsstaatliche Konzepte für das Transplantationssystem entwickeln. Augen zu und durch und mehr als zusätzlich 50 Millionen Euro jährlich für Porto, Briefe und Druckerzeugnisse, die von den Versicherten gezahlt werden müssen, sind der falsche Weg. Es darf nicht sein, dass wir ein Placebo-Gesetz bekommen, das nichts bewirkt und nur Geld verschlingt", erklärte Brysch. Das sei man auch den 12.000 Menschen schuldig, die auf der Warteliste stehen und auf eine gute Lösung hoffen.

Prüfbericht zu Vorwürfen gegen Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation

Überschattet bzw. nicht überschattet, da medial fast nirgends aufgegriffen, wurde die Bundestagsdebatte von einem Artikel in der Frankfurter Rundschau, über ein mittlerweile dem Bundesgesundheitsministerium vorliegenden Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu Vorwürfen gegen den Vorstand der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Bezug auf "Vetternwirtschaft und Selbstbedienungsmentalität", die vor einiger Zeit anonym erhoben worden sind. Der Prüfbericht soll jedoch auf Anweisung des DSO-Stiftungsrates unter Verschluss gehalten und nicht an Dritte herausgegeben werden dürfen, auch nicht an den Bundestag oder Bundesrat. Mehr dazu im FAZ.net Blog Biopolitik von Oliver Tolmein (siehe unten).

(Ergänzung 31.03.12: Mittlerweile gibt es ein eigenes Themenspecial zum DSO-Gutachten.)

Ethikrat beriet über Hirntod und Organentnahme

Einen Tag vor den Bundestagsberatungen veranstaltete der Deutsche Ethikrat am 22.03.12 in Berlin ein "Forum Bioethik" zum Thema "Hirntod und Organentnahme. Gibt es neue Erkenntnisse zum Ende des menschlichen Lebens?" Der Ethikrat wollte dabei die Öffentlichkeit über die aktuelle Debatte informieren und mit den eingeladenen Experten in einen interdisziplinären Diskurs eintreten, an dem auch das Publikum beteiligt wurde. Dabei sollte der Frage nachgegangen werden, wie im Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit der Organtransplantation und dem Schutz der Menschenwürde ein ethisch gebotener und verantwortungsvoller Umgang mit hirntoten Menschen aussehen kann. Ein ausführlicher Bericht und sämtliche Protokolle zur Veranstaltung kann der Pressemitteilung des Ethikrates entnommen werden sowie weiteren Artikeln in unserer Presseschau (siehe unten bzw. ganz unten). In der Bundestagsdebatte wurde die Veranstaltung nicht erwähnt.
 

Weiterführende Informationen:

Presseschau zur Bundestagsdebatte über Organspenden

Verschwendungsvorwürfe: Organspende-Stiftung im Zwielicht
Von Nicola Kuhrt
Teure Flüge, Dienstwagen, Büromöbel: Anonym waren im vergangenen Jahr Verschwendungsvorwürfe gegen die Deutsche Stiftung Organtransplantation erhoben worden. Nun entlastet ein Gutachten den Vorstand, es gebe dort kein Fehlverhalten. Dennoch sehen Gesundheitspolitiker Handlungsbedarf.
SPIEGEL Online 30.03.12

Organspenden: Kurioses in der Lobby
Bernhard Walker
STUTTGARTER ZEITUNG 30.03.12

Zweifel an Deutsche Stiftung Organspende DSO bleiben
Eine Einschätzung von Kathrin Vogler
Seit Herbst 2011 berichtet die Presse über wenig vertrauenserweckende oder gar skandalöse Machenschaften bei der Deutsche Stiftung Organspende DSO.
MITTEILUNG Kathrin Vogler, MdB, DIE LINKE 30.03.12

Missstände bei Stiftung Organtransplantation: Ein Herz für Dienstwagen
Von Christina Berndt
Sie koordiniert den sensiblen Bereich der Organspende, doch im Moment fällt sie eher durch unsensibles Geschäftsgebaren auf. Wirtschaftsprüfer monieren dubiose Ausgaben bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation.
SUEDDEUTSCHE.DE 30.03.12

Organspende und Hirntod: Anstoß zum Nachdenken
Klinkhammer, Gisela; Richter-Kuhlmann, Eva
Ein geändertes Transplantationsgesetz und die „Entscheidungslösung“ sollen mehr Spenderorgane bringen – darin waren sich die Fraktionen bei der ersten Lesung des Gesetzes im Bundestag einig. Gleichzeitig diskutierte der Deutsche Ethikrat über den Hirntod.
Deutsches Ärzteblatt 2012; 109(13) 30.03.12

Darf man Hirntoten die Organe wegnehmen?
Endet das Leben wirklich mit dem Hirntod, oder könnten Menschen danach womöglich weiter leben? Neue Studien werfen erhebliche Zweifel auf - und treiben die Ethiker um.
Von Nicola Siegmund-Schultze
Ärzte Zeitung, 30.03.2012

Änderung bei Organspende-Gesetzentwurf angestrebt: Kompromiss zur „Entscheidungslösung“ soll nicht mit der elektronische Gesundheitskarte verknüpft werden
Kathrin Vogler und Wolfgang Neskovic streben eine Änderung des Gruppenantrags zur „Entscheidungslösung“ im Transplantationsgesetz an. Am 22. März 2012 war der Gesetzentwurf im Deutschen Bundestag in erster Lesung beraten worden.
PRESSEMITTEILUNG Kathrin Vogler, MdB, DIE LINKE. 30.03.12

Vetternwirtschaft? Gutachten entlastet DSO nur teilweise
Die Organspende-Neuregelung wird von drastischen Vorwürfen gegen den Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation überschattet.
Ärzte Zeitung, 29.03.12

In der DSO wird "gewulfft"
Kommentar Von Anno Fricke
Ärzte Zeitung, 29.03.12

Hirntod: Wann ist der Mensch tot?
Von Annette Mende, Berlin
Sind hirntote Menschen tatsächlich tot? Diese Frage lässt sich nach wir vor nicht eindeutig beantworten. Dennoch darf man Hirntoten laut Gesetz Organe entnehmen. Über medizinische und ethische Aspekte des Hirntods diskutierten Experten beim Forum Bioethik des Deutschen Ethikrats in Berlin.
PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG Ausgabe 13/2012 29.03.12

Praktiken der Transplantationsstiftung: Das schmutzige System Organspende
Ämterhäufung, Vetternwirtschaft und Verschwendung von Krankenkassengeld: Die Deutsche Stiftung Organtransplantation agiert unkontrolliert am Staat vorbei.
von Heike Haarhoff
TAZ 28.03.12

Ein Faible für Luxus
Kritik an Stiftung Organtransplantation
Dienstwagen, Vetternwirtschaft und teure Büromöbel: Die Vorwürfe gegen die Stiftung Organtransplantation sind laut einem Wirtschaftsprüfungsgutachten wahr.
von Heike Haarhoff
TAZ 28.03.12

Nur ein Bruchteil kommt als Organspender überhaupt infrage
Präsident der Bundesärztekammer über die Neureglung der Organspende
Dr. Frank Ulrich Montgomery im Gespräch mit Christian Floto
DEUTSCHLADFUNK 27.03.12

Was sich bei der Organspende ändern soll
Monika Pilath
Kassen werden zur Aufklärung verpflichtet, Krankenhäuser bekommen Transplantationsbeauftragte
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Eine Frage der Moral
Jörg Biallas
Es gibt Dinge im Zusammenspiel unserer Gesellschaft, die darf der Staat nicht für den Bürger entscheiden.
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Auf Leben und Tod
Monika Pilath
In großer Geschlossenheit wollen die Fraktionen für mehr Organspendebereitschaft sorgen
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Einfachere Wege
Gastkommentar Andreas Mihm
Mit angemessener Ernsthaftigkeit hat der Bundestag den Weg zur Steigerung der Organspendebereitschaft bereitet.
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Der Erfolgsmensch: Daniel Bahr
Hans Krump
Den Organspendeausweis hat er stets dabei. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr engagiert sich seit Jahren für Organspenden.
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Gut und weise
Reicht das neue Transplantationsgesetz?
Gastkommentar Guido Bohsem
In Deutschland müssen keineswegs "12.000 Menschen sterben, weil sie kein Spenderorgan bekommen". Das wird immer wieder behauptet und ist doch falsch.
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

"Anschein von Leben"
Interview mit Prof. Eberhard Schockenhoff, stellv. Vorsitzender des Deutschen Ethikrates
Der Vizevorsitzende des Ethikrats plädiert für eine verpflichtende Erklärung zur Organspende
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Langer Weg zum Empfänger
Monika Pilath
Die Organisation der Organspende in Deutschland
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Organspende: Warten auf den dritten Geburtstag
Susanne Kailitz
Vor 15 Jahren bekam Anja Babinsky ein neues Herz. Inzwischen wartet sie auf den nächsten Eingriff
Das Parlament Nr. 13, 26.03.12

Losinger: Entscheidung über Organspende nicht Familie aufbürden
Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger appelliert an die Bundesbürger, die Entscheidung über eine Organspende nicht auf die Angehörigen «abzuwälzen».
KATHOLISCHE SONNTAGSZEITUNG 25.03.12

Der Streit um den Zeitpunkt des Todes
Ethikrat debattiert über Hirntod und Organentnahme
Von Brigitte Lehnhoff
DEUTSCHLANDRADIO 24.03.12

Akt der Nächstenliebe
Warum die Freiwilligkeit bei der Organspende so wichtig ist
Gastkommentar von Gabriele Molitor
DIE WELT 24.03.12

Jeder ist gefragt
Ethikratmitglied Bischof Losinger zur Organspendedebatte
DOMRADIO 24.03.12

Organentnahme: Experten streiten über Hirntod-Kriterium
Sind Hirntote "lebende, bewusstlose Menschen"? Im Körper hirntoter Schwangerer könnten Babys heranwachsen. Hirntote Kinder könnten sexuell reifen. - Deutscher Ethikrat diskutiert über Verpflichtungen gegenüber Hirntoten
KATH.NET 23.03.12

Herzensangelegenheit für alle
Von Rainer Woratschka
Über das heikle Thema Organspende führt der Bundestag eine zutiefst bewegende Debatte.
TAGESSPIEGEL 23.03.12

Wortreiches Werben um Organspender
Nierenkranke Kinder, verstorbene Lungenkranke, persönliche Erfahrungen mit dem Tod: Das Parlament debattiert seinen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Organspende
TAZ 23.03.12

Wissen und Aufklärung
Die Hirntod-Definition verändert unser Bild von Tod und Abschiednehmen.
NEUE PRESSE COBURG 23.03.12

Selten emotional und einig
Reform der Organspende im Bundestag
Der Bundestag hat die Reform der Organspende auf den Weg gebracht. Zuvor debattierten die Abgeordneten emotional, aber kaum kontrovers über den Entwurf.
von Heike Haarhoff
TAZ 22.03.12

Organspende-Reform: Bundestag einmütig
Staat will Bürger nach Spendenbereitschaft fragen
ZDFheute.de 22.03.12

Reform der Organspende: Darum geht's
Bundestag berät - Freiwillige Erklärung vorgesehen
ZDFheute.de 22.03.12

Bundestag berät über Reform der Organspende
Kompromiss sieht Aufforderung zur Entscheidung vor
DEUTSCHLANDRADIO 22.03.12

Bundestag zum Transplantationsgesetz: Nachdenken über Organspende wird Pflicht
Alle Bürger über 16 Jahre sollen künftig regelmäßig befragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Eine Pflicht sich zu entscheiden, soll es nicht geben. Dies ist der Tenor der ersten Beratungen im Bundestag zum neuen Transplationsgesetz. Künftig soll es noch mehr Aufklärung geben.
Von Stephan Ueberbach, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
TAGESSCHAU 22.03.12

Nur ja kein Druck
Bundestag bei Organspende weithin einig
DOMRADIO 22.03.12

Bundestag bekräftigt Pläne zur freiwilligen Organspendeerklärung
DOMRADIO 22.03.12

Organspende: Bundestag auf dem richtigen Weg
Berlin. Organspende ist Spende zum Leben. Zwar wissen das die meisten Menschen und sind auch prinzipiell zur Organspende bereit, aber nur eine Minderheit besitzt einen Organspendeausweis.
PRESSEMITTEILUNG Bundesärztekammer 22.03.12

Schwarz-Weiß-Dialektik läuft beim Thema Organspende ins Leere - Vertrauen wächst nur ohne Tabus - Augen-zu-und-durch-Taktik bringt nicht mehr Organspender
Zur ersten Lesung des Transplantationsgesetzes im Deutschen Bundestag erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in Berlin:
Dass sich die Menschen mit dem Thema Organspende beschäftigen sollen, ist grundsätzlich zu begrüßen. Im Akutfall sind Angehörige mit der Entscheidung über den abschiedslosen Tod oft überfordert. Doch der reine Appell an Emotionen, wie heute im Bundestag von den meisten Abgeordneten vorgetragen, wird nicht den gewünschten Erfolg, die Anzahl der Spender zu erhöhen, bringen.
PRESSEMITTEILUNG Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung 22.03.12

Neuregelungen zur Organspende in erster Lesung im Bundestag
Berlin. Der Deutsche Bundestag hat heute in erster Lesung den von Abgeordneten aller Fraktionen eingebrachten Gesetzentwurf zur Einführung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz und den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Transplantationsgesetzes beraten.
PRESSEMITTEILUNG Bundesministerium für Gesundheit 22.03.12

Neuregelung der Organspende
Der Bundestag hat sich erstmals mit der so genannten Entscheidungslösung der Organspende befasst. „Wir wollen keinen Zwang ausüben, aber wir wollen überzeugen, dass es sich lohnt und es wichtig ist, sich mit der Frage der Organspende auseinanderzusetzen,“ so Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.
MITTEILUNG Bundesregierung 22.03.12

Fraktionen wollen gemeinsam "Entscheidungslösung" bei Organspende einführen
Gesundheit/Gesetzentwurf
Berlin: (hib/MPI) Alle fünf Bundestagsfraktionen wollen mit einer Reform des Transplantationsgesetzes dafür sorgen, dass mehr Menschen in Deutschland ihre Bereitschaft zur Organspende erklären. Kernpunkt des gemeinsamen Gesetzentwurfs (17/9030), der am Donnerstag zusammen mit einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (17/7376) erstmals im Bundestag debattiert wird, ist die Einführung einer sogenannten Entscheidungslösung.
HIB heute im Bundestag 22.03.2012

Steinmeier: Organspende in Schulen tragen
Wird Organspende bald im Unterricht besprochen? Dafür sprach sich zumindest Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus.
Ärzte Zeitung online, 22.03.2012

Einigkeit im Bundestag bei Neuregelung der Organspende
Berlin – Der Deutsche Bundestag hat sich bei der Ersten Lesung zu den Reformen des Transplantationsgesetzes einhellig für die Einführung der „Entscheidungslösung“ bei der Organspende ausgesprochen.
AERZTEBLATT.DE 22.03.12

Organspende: Überzeugen, nicht überreden
Ja, nein, vielleicht oder später: Die Bürger sollen sich mit dem Thema Organspende beschäftigen. Das fordern Politiker aller Fraktionen.
Ärzte Zeitung online 22.03.12

Nachdenken als Bürgerpflicht
Medizinethiker Nagel bewertet Organspendelösung als nicht ausreichend
DOMRADIO 22.03.12

Das neue Transplantationsgesetz verbessert die Rahmenbedingungen für die Lebendspende entscheidend
Heute hat sich der Bundestag in erster Lesung mit dem von Abgeordneten aller Fraktionen eingebrachten Gesetzesentwurf zur Neuregelung des Transplantationsgesetzes beschäftigt. Die DGfN hat bereits am 3. März das Vorhaben, die bisher geltende Zustimmungslösung zu einer Entscheidungslösung zu verändern, begrüßt. Einen besonderen Meilenstein sehen die Nephrologen nun auch in der besseren Absicherung von Lebendspendern, die der Gesetzesentwurf vorsieht.
PRESSEMITTEILUNG (IDW) Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) 22.03.12

Keine elektronische Speicherung bei der Organspende
„Die elektronische Speicherung der entsprechenden Erklärungen zur Organspende ist der Pferdefuß der Entscheidungslösung. Es wäre ein Alptraum, wenn man gegen seinen Willen durch Missbrauch der Daten zum Organspender werden würde.
PRESSEMITTEILUNG Wolfgang Neškovic, MdB Die Linke 22.03.12

Organspenden-Reform: Vorwürfe gegen Stiftung überschatten Konsens
Bei Beratungen im Bundestag zum Transplantationsgesetz gab es viel Emotionen - und Kritik.
SPIEGEL Online 22.03.12

Gesetz zur Organspende: Organspende-Stiftung hält Gutachten zurück
Timot Szent-Ivanyi
Heute soll im Bundestag erstmals über den Gesetzentwurf zur Organspende debattiert werden. Gleichzeitig fällt ein Schatten auf gerade die Organisation, die in Deutschland für Organspenden verantwortlich ist. Es geht um den Vorwurf der Geldverschwendung.
FRANKFURTER RUNDSCHAU 22.03.12

Vorwürfe gegen die DSO-Spitze?
Der Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) verhindert einem Medienbericht zufolge die Veröffentlichung eines Gutachtens, in dem Vorwürfe gegen die DSO-Spitze untersucht wurden.
DER WESTEN 22.03.12

Ethikrat: Sind Hirntote tot genug für die Organentnahme?
Matthias Kamann
Das rasche Aufschneiden von Toten zur Organentnahme scheint unvereinbar mit der Würde des Sterbens. Dabei ist sogar umstritten, wann das Leben endet.
WEL Online 22.03.12

Das System Hirntod
Voraussetzung für eine Organentnahme ist der Tod des "Spenders". Doch wann ein Mensch tot ist, darüber gehen die Meinungen auch bei den Experten auseinander.
von Ulrike Baureithel
TAZ 22.03.12

Ethikrat will Diskussion über Hirntod anstoßen
Bei den Beratungen zum Transplantationsgesetz hält der Ethikrat eine Hirntod-Diskussion für nötig.
Ärzte Zeitung, 22.03.12

Wann ist der Mensch tot?
Neue Erkenntnisse zum Ende des Lebens
Von Thomas Gith
In Deutschland fehlen Spenderorgane - egal ob Herz, Nieren oder Leber. Nicht zuletzt deswegen soll die Organspende neu geregelt werden. Vor diesem Hintergrund ist eine Kontroverse neu entbrannt:
DEUTSCHLANDFUNK 22.03.12

Deutscher Ethikrat: Diskussion über den Hirntod
Berlin – Als der Neurologe Alan Shewmon vom Medical Center der University of California in Los Angeles gestern in Berlin auf Einladung des Deutschen Ethikrates in Berlin über die „Medizinische Betrachtung des Hirntods“ referierte, war der Andrang groß.
AERZTEBLATT.DE 22.03.12

Das funktionelle "Nichts"
Ethikrat debattiert über Hirntod-Konzept
Der Deutsche Ethikrat holte sich für sein Forum „Hirntod und Organentnahme“ einen Kritikerstar aufs Podium. Angehörige und Pflegekräfte wurden nicht gefragt.
von Ulrike Baureithel
TAZ 22.03.12

Es geht um die Unumkehrbarkeit
Der Hirntod ist keine Prognose, sondern ein sicheres Todezeichen
Kommentar von Heike Haarhoff
TAZ 22.03.12

Der Wille stirbt zuletzt
Kathrin Zinkant
Hirntod: Etwas mehr Ruhe und Offenheit täten der Debatte um die Kriterien des Lebensendes gut. Aber Sachlichkeit? Ist leider oft verpönt
DER FREITAG 22.03.2012

Die Frage "Wann ist ein Mensch tot?" beschäftigte den Deutschen Ethikrat
Berlin. Am 21. März diskutierte der Deutsche Ethikrat im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Forum Bioethik“ über neue Argumente zu Fragen des Lebensendes und welche Konsequenzen sich daraus für die Transplantationsmedizin ergeben.
PRESSEMITTEILUNG Deutscher Ethikrat 22.03.12

Deutsche Stiftung Organtransplantation - Prüfungsbericht nicht ans Parlament?
Oliver Tolmein
FAZ.NET Blog Biopolitik 21.03.12

Risse im schönen Organspende-Konsens
Eigentlich war alles klar beim Thema Organspende: Die Politiker hatten sich auf die Entscheidungslösung geeinigt. Doch jetzt melden sich einzelne Abgeordnete zu Wort - und kritisieren die Neuregelungen, die morgen im Bundestag beraten werden.
Ärzte Zeitung online, 21.03.12

Bundestag berät am Donnerstag über Organspende
AERZTEBLATT.DE 21.03.12

Transplantationsgesetzentwurf ist ein Placebo - Bahr gaukelt eine Lösung vor, die absehbar keinen Erfolg bringen wird
Zum Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz, der morgen im Bundestag diskutiert werden soll, erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in Berlin:
„Mit dem jetzt vorliegenden Gesetzentwurf wird es nicht mehr Organspender geben als zuvor. Die zentralen Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet.
PRESSEMITTEILUNG Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung 21.03.12

Organspenderegelung: Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei Organspenden fordert Hirntod-Debatte und vollständige Aufklärung
München . Am 22. März berät der Deutsche Bundestag erstmals über einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Entscheidungslösung bei Organspenden. Das "Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei Organspenden", ein Zusammenschluss diverser Organisationen, Vereine, Arbeitsgemeinschaften und Einzelunterstützer warnt vor diesem Hintergrund vor einer vorschnellen Verabschiedung des Gesetzes ohne ernsthafte und ausführliche Diskussion über den Hirntod als Kriterium einer Organentnahme.
PRESSEMITTEILUNG Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei Organspenden 21.03.12

Sozialminister Stefan Grüttner zum Gesetzentwurf über die Neuregelung der Organspende: "Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist zumutbar"
Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner hat den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Organspende, der am Donnerstang im Bundestag verhandelt wird, als nicht weitreichend genug bezeichnet.
PRESSEMITTEILUNG Hessisches Sozialministerium 21.03.12

Kauch: Bahr-Entwurf ist wesentlicher Fortschritt für Organtransplantationen
Berlin. Zur morgigen Einbringung des Gesetzentwurfes des Bundesgesundheitsministers zum Transplantationsgesetz erklärt der Gesundheitsexperte der FDP-Bundestagsfraktion Michael KAUCH:
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat nicht nur wesentlichen Anteil am Gruppenentwurf zur Entscheidungslösung bei der Organspende. Er bringt morgen parallel einen Gesetzentwurf ein, der wichtige Veränderungen bei der Organtransplantation vorsieht.
PRESSEMITTEILUNG FDP-Fraktion 21.03.12

Bahr erwartet mehr Organspenden
Deutlich mehr Deutsche werden künftig Organe spenden, ist sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sicher.
Ärzte Zeitung online, 21.03.2012

Organspende ja oder nein?
Warum der Zwang zur Entscheidung falsch ist. Zwischenruf einer Krankenhausseelsorgerin. Zu diesem Thema auch die Publik-Forum-Umfrage. Stimmen Sie ab!
von Christine Franke
PUBLIK FORUM 20.03.12

Volker Kauder: Bereitschaft zur Organspende erhöhen
Bericht des Fraktionsvorsitzenden
In Deutschland warten derzeit 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan, darauf weist der Vorsitzende Volker Kauder in seinem Bericht an die Fraktion hin.
MITTEILUNG CDU/CSU-Fraktion 20.03.12

Gespräch zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der SPD-Spitze
Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung ihres Vorsitzenden Erzbischof Robert Zollitsch und die engere Parteiführung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands unter Leitung des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel sind am Montag, dem 19. März 2012, zu einem zweistündigen Spitzengespräch im Willy-Brandt-Haus in Berlin zusammengetroffen.
PRESSEMITTEILUNG Deutsche Bischofskonferenz 20.03.12

Her mit den Eingeweiden!
Dient die gesetzliche Neuregelung der Organspende der Lebenserhaltung aller Patienten? Angesichts der bestehenden Klassenmedizin ist das zu bezweifeln.
von Marcel Malachowski
Jungle World Nr. 11, 15.03.12

Patientenschützer fordern Nachbesserung bei Organspende-Gesetz
Osnabrück – Die Deutsche Hospiz Stiftung hat den Gesetzentwurf zur Förderung der Organspende kritisiert und Nachbesserungen gefordert.
AERZTEBLATT.DE 13.03.12

Der Gesetzentwurf ist da: Gläserne Schwerstkranke - Datenschutz und Organentnahme
Oliver Tolmein
FAZ.NET Blog Biopolitik 12.03.12

Organspendedebatte: Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. fordert ehrliche und umfassende Aufklärung im Organspenderausweis
Bremen (12.03.12). Am 1.3.2012 haben sich die Vorsitzenden aller fünf Bundestagsfraktionen in einem Gesetzentwurf auf die Entscheidungslösung bei Organspenden geeinigt. Von einigen Journalisten wurde diese Vereinbarung sogar als "Sternstunde des Parlaments" bezeichnet. Vor diesem Hintergrund hat sich die Initiative "Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V." (KAO) aus Bremen in einem offenen Brief an den Bundestagspräsidenten Professor Norbert Lammert gewandt.
PRESSEMITTEILUNG Initiative Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO) 12.03.12

Organersatz ist ein Irrweg
Von Ilja Seifert
Berlin (kobinet) Ja, auch ich kenne bzw. kannte Menschen unterschiedlichen Alters, die zweimal jährlich „Geburtstag“ feiern bzw. feierten.
KOBINET-Nachrichten 12.03.12

Nierenlebendspende für Spender gefährlicher als ihr Ruf
Anlässlich des Weltnierentages am 08. März 2012 ist mit einer Flut von Pressemeldungen zum ebenfalls aktuellen Thema Organspende auf die Situation von Tausenden Dialysepatienten hingewiesen worden, die auf ein Spenderorgan warten. Teilweise so lange, dass sie vor einer möglichen Organtransplantation versterben. Neben der Nierenspende durch einen hirntoten Menschen rückt die Nierenlebendspende immer mehr in den Fokus. Von ihr erhofft man sich eine wirksame Unterstützung des viel zu geringen Organangebots durch hirntote Menschen.
Der in den Presseveröffentlichungen vertretenen Ansicht, dass die Nierenlebendspende für den Spender gesundheitlich unbedenklich sei, tritt die „Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e. V.“ entschieden entgegen.
PRESSEMITTEILUNG Interessengemeinschaft Nierenlebendspende IGN e. V. 12.03.12

Nur nicht irritieren lassen
In der Diskussion um die Reform des Transplantationsgesetzes geht es vor allem um den Datenschutz. Andere Probleme werden ausgeblendet
Ulrike Baureithel
DER FREITAG 11.03.12

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